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Digitale Pflegeprozesse · Heiko Mania · Admin · 2 Follower · 14.09.2026 · 110 Aufrufe

Marktübersicht: Der deutsche Markt für klinische Pflegeinformationssysteme

Bei Krankenhaussoftware sprechen wir fast immer über KIS-Anbieter. Für Pflegefachkräfte ist aber eine andere Frage entscheidender: Welches System bildet eigentlich Anamnese, Assessment, Pflegeplanung, Maßnahmen, Durchführung und Evaluation ab? Eine Marktbetrachtung zeigt, dass sich in Deutschland unterschiedliche Produktstrategien gegenüberstehen – von der Pflegedokumentation als Bestandteil eines großen KIS über spezialisierte klinische Pflege- und Behandlungsdokumentationssysteme bis zu pflegefachlichen Wissens- und Assessment-Layern.

Der deutsche Markt für Krankenhausinformationssysteme befindet sich ohnehin in einer Phase ungewöhnlich starker Bewegung. Die Ablösung von SAP IS-H, neue webbasierte KIS-Generationen, Cloud-Strategien, strukturierte klinische Daten und nicht zuletzt der Einstieg von Epic bei der Charité sorgen dafür, dass viele Krankenhäuser ihre IT-Landschaft grundsätzlich neu bewerten.

Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass der Markt für klinische Pflegedokumentation nicht deckungsgleich mit dem KIS-Markt ist. Ein Krankenhaus kann beispielsweise ORBIS, MEDICO oder ein anderes KIS als führendes System einsetzen und trotzdem eine eigenständige klinische Pflege- und Behandlungsdokumentation oder zusätzliche pflegefachliche Wissenssysteme einsetzen. Andere Häuser setzen vollständig auf das Pflegemodul ihres KIS.

Genau deshalb lohnt sich eine eigene Marktübersicht.

Eigentlich gibt es mehrere Märkte gleichzeitig

Die erste Gruppe sind die klassischen KIS-Anbieter mit integrierter Pflegedokumentation. Dazu gehören beispielsweise Dedalus, CGM, NEXUS, Meierhofer, Mesalvo oder Telekom Healthcare. Pflege ist hier Bestandteil einer umfassenden Krankenhausplattform. Der Vorteil liegt auf der Hand: Stammdaten, Aufträge, Befunde, Medikation, Kurve und Pflegedokumentation können innerhalb derselben Produktwelt zusammengeführt werden.

Die zweite Gruppe bilden eigenständige beziehungsweise spezialisierte klinische Pflege- und Behandlungsdokumentationssysteme. Hier sind insbesondere Thieme RECOM mit RECOM-GRIPS, atacama mit apenio und nursIT mit careIT einzuordnen. Diese Lösungen kommen stärker aus der klinischen beziehungsweise pflegefachlichen Prozesslogik und können in vorhandene KIS-Landschaften integriert werden. Gerade diese Gruppe ist interessant, weil Krankenhäuser damit die klinische Dokumentation modernisieren können, ohne zwangsläufig ihr administratives Kern-KIS vollständig ersetzen zu müssen.

Daneben gibt es Anbieter und Systeme, die wiederum andere Ebenen adressieren. epaSYSTEM beispielsweise liefert pflegewissenschaftliche Assessments und Entscheidungsunterstützung und kann in unterschiedliche Dokumentationssysteme integriert werden. Avelios wiederum verfolgt den Ansatz einer umfassenderen, modular aufgebauten Krankenhausplattform, bei der strukturierte klinische Daten von Beginn an eine zentrale Rolle spielen.

Diese unterschiedlichen Lösungen begegnen sich zunehmend in denselben Digitalisierungsprojekten, obwohl sie technologisch und strategisch unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage geben:

Wie soll Pflege künftig digital arbeiten?

Marktübersicht: Wer spielt bei der klinischen Pflegedokumentation mit?

KIS-integrierte Lösungen

Eigenständige klinische Pflege- und Behandlungsdokumentation

  • Thieme RECOM – RECOM-GRIPS: Pflege- und Behandlungsprozess mit Terminologien wie ENP und NANDA-I PLUS und starkem pflegefachlichem Knowledge-Layer.
  • atacama – apenio: Pflegeplanung, Patientendokumentation, Medikation und Wundmanagement mit wissensbasiertem, interprofessionellem Ansatz.
  • nursIT – careIT: eigenständiges klinisches Pflege- und Behandlungsdokumentationssystem für Pflege, Medizin und Therapie am Point of Care mit FHIR-basierter Integration in bestehende KIS-Landschaften.

Plattformen und pflegefachliche Zusatzebenen

  • Avelios: modulare Krankenhausplattform mit strukturierter Pflegedokumentation, Arbeitslisten und Pflegeberichten.
  • epaCC – epaSYSTEM: Assessment- und Knowledge-Layer mit pflegerischen Basisassessments und Entscheidungsunterstützung, integrierbar in unterschiedliche Dokumentationssysteme.
  • Epic: Enterprise-KIS mit umfassenden Nursing Workflows und Care Plans; durch die Charité künftig auch im deutschen Markt relevant.

Die Übersicht ist bewusst keine Marktanteilstabelle. Für den spezifischen deutschen Markt der Pflegeprozessdokumentation gibt es keine öffentlich zugängliche, belastbare aktuelle Statistik, die die installierten Systeme sauber gegeneinander abgrenzt. Selbst Installationszahlen der KIS-Anbieter sagen wenig darüber aus, welche Pflegelösung ein Krankenhaus tatsächlich verwendet.

Die großen KIS-Anbieter: Pflege als Teil der Gesamtlösung

Für viele Krankenhäuser ist die integrierte Pflegedokumentation ihres KIS zunächst die naheliegende Lösung. Dedalus entwickelt mit ORBIS U Pflege den Pflegearbeitsplatz innerhalb der neuen ORBIS-U-Generation weiter. Die Lösung unterstützt pflegerische Prozesse sowohl am Desktop als auch mobil und ist als nativer Bestandteil in ORBIS integriert. Interessant ist gleichzeitig die Kooperation mit Thieme RECOM: Pflegefachliche Terminologien wie ENP und NANDA-I PLUS können dadurch innerhalb der KIS-Welt nutzbar gemacht werden.

Auch NEXUS positioniert die Pflegedokumentation prominent innerhalb seines KIS NG. Der Pflegeprozess von Anamnese und Assessment über Planung und Durchführung bis zur Evaluation kann digital abgebildet werden. Ähnliche Strategien verfolgen Meierhofer, Mesalvo, CGM und Telekom Healthcare. Die grundlegende Produktidee bleibt dabei vergleichbar: Die Pflege arbeitet innerhalb der KIS-Welt, in der auch die übrigen klinischen und administrativen Prozesse abgebildet werden.

Das hat erhebliche Integrationsvorteile. Gleichzeitig bindet es die Weiterentwicklung des digitalen Pflegeprozesses stark an Innovationsgeschwindigkeit, Datenmodell und Benutzerkonzept des jeweiligen KIS-Herstellers.

RECOM-GRIPS: Pflegeinformatik aus der Fachlogik heraus

Einen anderen Ausgangspunkt verfolgt RECOM-GRIPS von Thieme RECOM. Hier beginnt das Produkt gedanklich nicht beim administrativen Krankenhausinformationssystem, sondern beim Pflege- und Behandlungsprozess.

RECOM-GRIPS ist als modulare, berufsgruppenübergreifende digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation konzipiert. Besonders relevant ist die Verbindung mit pflegefachlichen Terminologien und Wissensstrukturen wie ENP und NANDA-I PLUS. Pflegeinformationen werden damit nicht lediglich in Formularen gespeichert, sondern können in eine fachlich strukturierte Wissenslogik eingebettet werden.

Das zeigt gleichzeitig, wohin sich der Markt entwickelt: Der Wert eines spezialisierten Anbieters muss nicht zwingend darin bestehen, das komplette Krankenhausinformationssystem zu ersetzen. Er kann darin liegen, den klinischen und pflegefachlichen Prozess wesentlich tiefer abzubilden und sich mit der bestehenden Systemlandschaft zu verbinden.

atacama mit apenio: vom Pflegesystem zur interprofessionellen Dokumentation

Ähnlich stark pflegefachlich geprägt ist apenio aus der atacama-Gruppe. apenio hat seine Wurzeln in der wissensbasierten Pflegeplanung und hat sich inzwischen deutlich in Richtung einer umfassenderen Patientendokumentation entwickelt. Neben dem Pflegeprozess werden unter anderem Medikation, Wundmanagement und therapeutische Prozesse adressiert.

Der Anbieter gibt an, dass apenio mittlerweile in mehr als 100 Krankenhäusern eingesetzt wird. Damit gehört die Lösung zu den relevanten unabhängigen Spezialisten im deutschen Markt.

Auch hier lässt sich eine interessante Verschiebung beobachten: Aus der klassischen digitalen Pflegeplanung wird zunehmend eine interprofessionelle klinische Dokumentation.

nursIT mit careIT: klinische Dokumentation neben dem KIS

In dieselbe strategische Gruppe gehört nursIT mit careIT.

careIT ist als eigenständiges klinisches Pflege- und Behandlungsdokumentationssystem beziehungsweise klinisches Arbeitsplatzsystem konzipiert und adressiert die Dokumentation von Pflege, Medizin und Therapie am Point of Care. Das System soll dabei nicht zwangsläufig das vorhandene administrative Krankenhausinformationssystem ersetzen, sondern kann in bestehende KIS-Landschaften integriert werden.

Gerade darin liegt eine wesentliche strategische Gemeinsamkeit mit spezialisierten Lösungen wie RECOM-GRIPS und apenio: Der klinische Prozess wird als eigene Anwendungsebene verstanden.

Technologisch setzt nursIT dabei stark auf FHIR und eine interoperable klinische Datenbasis. Das ermöglicht einen Best-of-Breed-Ansatz, bei dem das bestehende KIS beispielsweise weiterhin Patientenadministration und Abrechnung übernimmt, während klinische Dokumentation und Prozessunterstützung über careIT erfolgen.

Dieser Ansatz könnte für Krankenhäuser besonders interessant werden, die vor der Frage stehen, ob sie für eine bessere klinische Dokumentation tatsächlich ihr gesamtes KIS austauschen müssen. Zwischen „altes KIS behalten“ und „komplettes neues KIS einführen“ entsteht damit eine dritte Option: Das administrative Kernsystem bleibt bestehen, während der klinische Arbeitsplatz schrittweise modernisiert wird.

Gerade vor dem Hintergrund von SAP-IS-H-Ablösung, FHIR, Clinical Data Repositories und zunehmend modularen Krankenhausarchitekturen dürfte dieser Ansatz in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Hier bietet careIT X seit 2026 eine komplette „Best-of-Breed-KIS-Alternative“.

Avelios: Plattform statt Speziallösung

Avelios Medical würde ich dagegen bewusst nicht in dieselbe Kategorie wie nursIT, RECOM-GRIPS und apenio einordnen. Avelios verfolgt einen breiteren Plattformansatz und entwickelt ein modular aufgebautes Krankenhausinformationssystem.

Die Pflegedokumentation ist dabei ein Bestandteil einer umfassenderen klinischen Plattform. Strukturierte Daten entstehen bereits während der Dokumentation und können anschließend für weitere Prozesse genutzt werden. Damit ähnelt der strategische Anspruch stärker einem neuen KIS- beziehungsweise Plattformmodell als einem eigenständigen spezialisierten Pflegedokumentationssystem.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil beide Ansätze zwar ähnliche moderne Technologien nutzen können, aber eine völlig andere Migrationsstrategie für Krankenhäuser bedeuten.

epaSYSTEM: kein Dokumentationssystem, aber trotzdem marktprägend

Ein weiterer wichtiger Akteur wird leicht übersehen, weil er kein vollständiges Pflegedokumentationssystem anbietet: epaCC.

Das epaSYSTEM stellt pflegewissenschaftlich entwickelte Basisassessments und Entscheidungsunterstützung bereit und kann in unterschiedliche Krankenhausinformations- und Dokumentationssysteme integriert werden.

Gerade daran zeigt sich, dass der Markt zunehmend in Schichten zerfällt. Ein Krankenhaus benötigt möglicherweise künftig nicht mehr das eine System, das alles beherrscht, sondern eine Kombination aus administrativem KIS, klinischer Dokumentation, Assessment, Terminologien, Entscheidungsunterstützung und interoperabler Datenplattform.

Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, ob alles vom selben Hersteller kommt.

Sie lautet, ob diese Komponenten tatsächlich wie ein System zusammenarbeiten.

Und dann kommt Epic

Mit dem Zuschlag der Charité für Epic bekommt der deutsche Markt zudem einen Wettbewerber, der international bereits sehr umfangreiche Nursing-Funktionalitäten besitzt. Dazu gehören Care Plans, mobile Workflows und zunehmend KI-gestützte Funktionen für die klinische Dokumentation.

Ob Epic nach der Charité weitere deutsche Großkunden gewinnen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Damit wird auch die Frage nach der Qualität und Tiefe pflegerischer Workflows stärker Bestandteil zukünftiger KIS-Ausschreibungen werden.

Der eigentliche Wettbewerb verändert sich

Die spannendste Erkenntnis dieser Marktübersicht ist deshalb nicht, welcher Anbieter heute die meisten Installationen besitzt.

Viel interessanter ist, worüber künftig konkurriert wird.

Bislang lautete die Frage häufig:

Welches KIS hat die beste Pflegedokumentation?

Künftig könnte sie anders lauten:

Welche Architektur ermöglicht den besten digitalen Pflegeprozess?

Dabei werden mehrere Faktoren entscheidend sein: Der vollständige Pflegeprozess muss fachlich abgebildet werden können, Pflegeinformationen müssen interoperabel und strukturiert vorliegen, Terminologien und Assessments müssen sinnvoll eingebunden werden und Dokumentation muss konsequent am Point of Care funktionieren. Gleichzeitig werden Krankenhäuser genauer hinschauen müssen, wie viel zusätzliche Arbeit ein System erzeugt.

Denn am Ende entscheidet nicht die Zahl der Funktionen darüber, ob eine digitale Pflegedokumentation gut ist.

Entscheidend ist, ob sie Pflegefachkräften tatsächlich Arbeit abnimmt.

Vielleicht endet damit auch die Zeit der „Pflegedokumentationssoftware“

Der Begriff Pflegedokumentationssystem wirkt ohnehin zunehmend zu klein.

Pflegefachkräfte benötigen nicht primär ein System, in dem sie nach der Versorgung dokumentieren können. Sie benötigen ein klinisches Informations- und Arbeitsinstrument, das den Pflegeprozess während der Versorgung unterstützt, relevante Informationen zusammenführt, Entscheidungen vorbereitet, Aufgaben koordiniert und die dabei entstehenden Daten anschließend weiterverwendbar macht.

Der deutsche Markt bietet dafür mittlerweile unterschiedliche Antworten. Die großen KIS-Hersteller integrieren Pflege immer tiefer in ihre Plattformen. RECOM-GRIPS, apenio und careIT zeigen dagegen, dass klinische Pflege- und Behandlungsdokumentation auch als eigenständige Anwendungsebene gedacht werden kann. Systeme wie epaSYSTEM liefern zusätzliche pflegefachliche Intelligenz, während neue Plattformanbieter wie Avelios versuchen, die Krankenhaus-IT insgesamt neu aufzubauen.

Einen eindeutigen Sieger gibt es nicht.

Aber eine Entwicklung zeichnet sich ab:

Die Zukunft gehört wahrscheinlich nicht dem System, das die meisten digitalen Formulare besitzt. Sie gehört der Architektur, die aus pflegerischer Information einen durchgängigen klinischen oder sogar sektorenübergreifenden Prozess machen kann.

Und genau deshalb wird die Auswahl einer klinischen Pflegedokumentation zunehmend zu einer strategischen Entscheidung der Pflegeinformatik und nicht mehr nur zu einem Unterpunkt der KIS-Einführung.

Welche Systeme fehlen aus eurer Sicht in dieser Marktübersicht? Und mit welcher klinischen Pflegedokumentation arbeitet ihr in eurem Krankenhaus tatsächlich?

markt

Dieser Text wurde mit Unterstützung von KI erstellt.

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