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Allgemein · Admin · Admin · 30.07.2026 · 82 Aufrufe

Der Deutsche Pflegerat hat Recht. Aber wir sollten einen Schritt weiterdenken.

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Als ich vor einigen Tagen das neue Expert:innenpapier des Deutschen Pflegerats zur bundeseinheitlichen Terminologiearchitektur gelesen habe, musste ich an ein Gespräch denken, das ich vor einigen Jahren mit einer geschätzten Expertin vom GKV-Spitzenverband geführt habe.

Damals ging es um PeBeM.

Für viele ist PeBeM bis heute vor allem das Projekt zur Personalbemessung in der stationären Langzeitpflege.

Ich glaube allerdings, dass darin eine viel größere Idee verborgen liegt.

Der Deutsche Pflegerat hat vollkommen Recht.

Das aktuelle Papier beschreibt ein Problem, das wir alle aus unserem pflegerischen Berufsalltag kennen.

Die gleiche Pflegemaßnahme wird in unterschiedlichen Einrichtungen (manchmal sogar in der selben Einrichtung) unterschiedlich dokumentiert.

Jeder Softwarehersteller nutzt eigene Begriffe.

Jede Einrichtung entwickelt ihre eigene Sprache.

Für Menschen ist das oft kein Problem.

Für Interoperabilität, Forschung und Künstliche Intelligenz dagegen schon.

Deshalb schlägt der Deutsche Pflegerat eine moderne Terminologiearchitektur vor: Pflegefachpersonen sollen weiterhin in ihrer gewohnten Fachsprache dokumentieren können, während im Hintergrund internationale Referenzterminologien wie SNOMED CT dafür sorgen, dass alle Systeme dieselbe Bedeutung verstehen.

Diesen Weg halte ich für richtig.

Aber ich glaube, wir stellen noch nicht die entscheidende Frage.

Welche Sprache soll die Pflege eigentlich sprechen?

Technische Interoperabilität ist wichtig.

Semantische Interoperabilität ist noch wichtiger.

Doch bevor wir Begriffe auf SNOMED CT abbilden, müssen wir wissen, welche pflegerischen Aktivitäten wir überhaupt einheitlich beschreiben wollen.

Und genau hier musste ich wieder an PeBeM denken.

PeBeM begann nicht mit Personal.

PeBeM begann mit einer viel grundsätzlicheren Frage:

Welche konkrete pflegerische Aktivität ist aufgrund eines bestimmten Pflegebedarfs notwendig?

Erst danach wurden Zeitbedarf, Kompetenzniveau und Personalbedarf abgeleitet.

Für mich steckt genau darin der eigentliche Schatz des Projekts.

Denn plötzlich geht es nicht mehr um Stellen oder Minuten.

Es geht um die Sprache der Pflege selbst.

Meine Vision

Ich wünsche mir eine Deutsche Pflegeklassifikation.

Nicht als Konkurrenz zu ICNP.

Nicht als Konkurrenz zu SNOMED CT.

Und ganz sicher nicht als proprietären Herstellerstandard.

Sondern als öffentlich verantwortetes, activity-basiertes Referenzmodell der Pflege.

Ein Modell, das beschreibt:

  • welche Pflegeaktivitäten wir durchführen,

  • welche Kompetenzen dafür erforderlich sind,

  • welche Ziele wir verfolgen,

  • wie Aktivitäten mit Pflegebedarf und Pflegeergebnissen zusammenhängen.

Dieses Modell könnte anschließend vollständig auf SNOMED CT gemappt werden.

Damit würden Personalbemessung, Pflegedokumentation, Qualitätsindikatoren, Pflegeforschung und KI erstmals dieselbe fachliche Sprache sprechen.

Warum das gerade jetzt wichtig wird

Mit Ambient Documentation und generativer KI beginnt eine neue Phase der Digitalisierung.

KI wird künftig nicht nur Dokumentation schreiben.

Sie muss verstehen, welche pflegerische Handlung tatsächlich erbracht wurde.

Wenn wir dafür keine gemeinsame Sprache entwickeln, werden wir auch in Zukunft nur Texte austauschen - aber keine wirklich interoperablen Pflegedaten.

Vielleicht haben wir die Chance noch einmal.

Das DPR-Papier beschreibt aus meiner Sicht den richtigen technischen Weg.

Jetzt sollten wir den nächsten Schritt gehen und gemeinsam diskutieren:

Braucht Deutschland eine activity-basierte Deutsche Pflegeklassifikation als fachliches Fundament dieser Terminologiearchitektur?

Ich glaube, dass genau darin eine der spannendsten pflegeinformatischen Aufgaben der kommenden Jahre liegt.

Nicht für die Software.

Sondern für die Profession Pflege.

Ich weiß, mich hat niemand gefragt

Und doch habe ich mir spätestens mit der Wieder-Abschaffung der PPR2.0 intensive Gedanken dazu gemacht und in ein Diskussion- und Konzeptionspapier gegossen.

Wen es interessiert, kann es hier downloaden:

Mich interessiert jedoch sehr Eure Meinung:

➡️ Reichen bestehende internationale Terminologien aus?

➡️ Oder braucht Deutschland zusätzlich ein nationales, activity-basiertes Referenzmodell für pflegerische Aktivitäten – interoperabel, offen und öffentlich verantwortet?

Quellen: https://deutscher-pflegerat.de/download/2026-07-13_dpr_pp_fk-digi_terminologie_final.pdf

Pflegeklassifikationen, KI

Dateien & Materialien

Von_PeBeM_zur_Deutschen_Pflegeklassifikation PDF · 159,5 KB

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